Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

 

Vor einigen Monaten diskutierte ich mit unserm Alt-OB Alfred Fögen das Thema Zusammenwachsen der Gesamtstadt Ditzingen und legte ihm dazu das nachstehende (aktualisierte) Arbeitspapier vor. Er bat mich das Thema zusammen mit seinem Nachfolger noch einmal aufzugreifen.Herrn Oberbürgermeister Makurath informierte ich inzwischen über meine Vorstellungen. Seine Reaktion war positiv. Nun wende ich mich an die Öffentlichkeit, mit dem Versuch eine breit angelegte Diskussion anzuregen. Es würde mich freuen, wenn sich nicht nur in den gemeinderätlichen Gremien, sondern auch unter den Bürgern eine zielführende Diskussion zu diesem wichtigen Thema entwickeln würde.

 

Fritz Hämmerle

 

Die Integration der Ortsteile in die Gesamtstadt Ditzingen

 

Einleitung

Mehr als 25 Jahre nach der Verwaltungsreform muß festgestellt werden, daß die Integration der Ortsteile in die Gesamtstadt Ditzingen noch sehr zu wünschen übrig läßt. Ganz allgemein besteht in der Bevölkerung der Teilorte eine reservierte Haltung gegenüber der Gesamtstadt. Die Zusammenlegung mit Ditzingen wurde noch nicht ausreichend akzeptiert. Die Gründe dafür sind nicht leicht auf einen Nenner zu bringen. Ein Hauptgrund liegt aber sicher in einer wenig ausgeprägten Identifikation der Bürger mit dem Gesamtgemeinwesen Große Kreisstadt Ditzingen.

Die Kritik an der angeblichen Benachteiligung bei Investitionen, beispielsweise bei der städtebaulichen und verkehrstechnischen Entwicklung und Infrastruktur, ist sekundär und rational oft unbegründet. Es handelt sich dabei um Symptome. Die wirklichen Ursachen für die offen zu Tage tretende Unzufriedenheit liegen sicher woanders.

 

Die Ursachen

Das kommunale Engagement der Bevölkerung ist entscheidend von der mentalen Grundhaltung der Bürger gegenüber ihrer Kommune abhängig. Anders formuliert, fördert eine positive Einstellung zur Kommune und eine starke Identifikation der Einwohner mit der Gemeinde in der sie leben, die notwendige Integration.

Diese positive Einstellung wird in den Teilorten oft vermißt. Ein selbstbewußtes Bekenntnis zu Ditzingen, die Bereitschaft an der weiteren Entwicklung der Kommune mitzuwirken oder sie zumindest mit Wohlwollen zu begleiten, läßt in vielen Kreisen zu wünschen übrig. Negative Aussagen zur Gesamtstadt, zum Ablauf der letzten 25 Jahre und Schwarzmalerei, was die kommunalen Entwicklungs-Potentiale betrifft, sind an der Tagesordnung. Im Gespräch mit Bürgern unterschiedlichster Kreise und Schichten wird das immer wieder deutlich.

Nach meiner Meinung ist ein entscheidender Mangel für diesen Zustand verantwortlich.

 

            Die Bürger vermissen eine klare unverkennbare Position

            ihres Teilortes im Ditzinger "Ortsquartett".

 

Das erzeugt Minderwertigkeitsgefühle gegenüber "denen in Ditzingen" und ein schwach ausgeprägtes kommunales Selbstwertgefühl.

 

Lösungsansätze

In der Vergangenheit hatte beispielsweise Heimerdingen eine klare Position im Strohgäu. Geradezu dominierend war das Image dieses Dorfes von der Landwirtschaft mit dem Spezialbereich Obst- und Gartenbau geprägt. Weiterhin war Heimerdingen auch als religiöses, pietistisches Zentrum richtungsweisend.

Dieser Ruf Heimerdingens reichte weit über die Ortsgrenzen hinaus und war eine ideale Ausgangsbasis für ein stark ausgeprägtes Selbstwertgefühl und trug entscheidend zur selbstbewußten Identifikation der Bürger mit ihrem Heimatort bei. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte läßt erkennen, daß diese Positionen nicht mehr ausreichend tragfähig sind. Vor allem im Konzert der vier Teile Ditzingens empfinden die Heimerdinger sich deshalb als unterrepräsentiert und von bestimmten Entwicklungen abgehängt. Es entsteht der Eindruck der psychologisch gefährlichen Unterforderung, deren direkte Folge Frustration ist.

 

Eine klare Zuordnung von Aufgaben, die in der Gesamtstadt zur Bewältigung anstehen, aber primär in die Kompetenz der Teilorte transportiert werden müssen, könnte sich hier als Lösung anbieten.

 

Die Verwaltungsreform ging von dem Ansatz aus, daß eine größere Verwaltungseinheit effizienter arbeiten könnte. Diesem Argument kann man sich nicht verschließen. Die wachsenden Ansprüche an die Kommunen können nicht mehr in jedem kleinen Ort in vollem Umfang und in optimaler Weise befriedigt werden. Neben einer soliden infrastrukturellen Grundausstattung in jedem Teilort, können weiterreichende Bedürfnisse nur im Rahmen der Gesamtstadt gelöst bzw. angeboten werden. Schwerpunktbildung ist unumgänglich. In diesem Punkt ist Ditzingen bereits auf dem besten Weg:

 

Die Kernstadt Ditzingen hat eine klar erkennbare unverwechselbare Position als Verwaltungszentrum, im Büchereiwesen, bei der Feuerwehr, im Angebot von Hallen, bei der Kultur und bei vielem anderem mehr.

 

Hirschlanden entwickelt sich zu einem Zentrum mit Sport- und Freizeiteinrichtungen, die von allen Bürgern Ditzingens genutzt werden können. Hier bestehen die besten Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung Hirschlandens als Ditzingens Sport- und Freizeitgemeinde.

 

Die "Gute Stube Ditzingens", der Ortsteil Schöckingen, hat überhaupt keine identifikationsprobleme. Unter anderem schaffen das Museum, der historische Ortskern und Schöckingen als landesweiter städtebaulicher Vorzeige-Teilort, eine klare Aufgabenzuordnung. Das macht es jedem Schöckinger leicht sich selbstbewußt mit seinem Dorf zu identifizieren. Positive Empfindungen wie Stolz und Anerkennung fördern die Integration. Viele Schöckinger stufen sich und ihren Ort als Gewinn für die Gesamtstadt ein und fühlen sich integriert und nicht okupiert.

 

Eine solch klare Aufgabe innerhalb Gesamt-Ditzingens ist für Heimerdingen zur Zeit nicht zu erkennen. Dieser Umstand kann eine Ursache dafür sein, daß viele Heimerdinger innerhalb der Gesamtstadt derzeit für ihren Ort keine Entwicklungschance sehen. An diesem Punkt sollte angesetzt werden. Immer wieder ist festzustellen, daß in Heimerdingen große gesellschaftliche Potentiale schlummern, die nur geweckt werden müssen. Große Aufgaben, wie beispielsweise die 1200-Jahrfeiern, zeigen deutlich die Bereitschaft zur kollektiven Aufgabenbewältigung mit äußerst positiven Effekten. Das Festjahr ist aber vorbei und das Kollektiv Heimerdingen läuft wieder auseinander.

Heimerdingen entwickelte sich in den letzten Jahren fast unmerklich zu einem kirchenmusikalischen Zentrum. Aus der religiösen Tradition dieses Dorfes heraus hat sich diese Aktivität fast zwangsläufig abgezeichnet. Zur Karfreitagsmusik kommen seit Jahren auch viele Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung. Es ist fast schon eine Tradition daraus entstanden. Darauf kann aufgebaut werden. Warum ergreift Heimerdingen nicht diese Chance und übernimmt die Aufgabe sich als kulturell-künstlerisches Zentrum innerhalb der Gesamtstadt zu profilieren. Natürlich bliebe dabei die kulturelle Bedeutung der Kernstadt und die entsprechende Grundausstattung von Hirschlanden und Schöckingen unberührt.

Die Sanierung der Ortsmitte Heimerdingens mit ihren starken Außenwirkungen kann geradezu initial wirken, wenn man an ein Hineinwachsen in Schwerpunkt-Aufgaben für die Gesamtstadt denkt.

 

Zusammenfassung

Die Verwaltungsreform kann und will niemand mehr rückgängig machen. Deshalb sollten sich die Teilorte um die weitere Integration in die Gesamtstadt bemühen. Eine verstärkte Zuordnung von Aufgaben, die ganz Ditzingen betreffen, aber schwerpunktmäßig in den Teilorten bewältigt werden können, wäre ein Ansatz dazu.

Die entsprechende Entwicklung ist bereits eingeleitet bzw. auf dem besten Wege. Sie muß weiter gefördert werden. Die Weiterentwicklung der Integration der Teilorte und die Förderung der Identifikation der überwiegenden Anzahl der Bürger mit dem Gemeinwesen Große Kreisstadt Ditzingen, würde dadurch wesentlich beschleunigt.

 

Fritz Hämmerle