Pressetext zu einer bundesweiten Aktion der FBB

 

Dachbegrünungen und gespaltene Abwassersatzungen

 

Eine profitable Verbindung

 

Fritz Hämmerle

 

Permanente Flächenversiegelung

Die unaufhaltsam fortschreitende Flächenversiegelung nimmt in Deutschland erschreckende Ausmaße an. Auch die breite Bevölkerung bekommt die Auswirkungen vor allem am Geldbeutel zu spüren. Immer häufiger treten sogenannte Jahrhunderthochwasser auf. Diese spektakulären Überflutungen kosten die Gesellschaft und den einzelnen Betroffenen eine Stange Geld. Noch unmittelbar schmerzhafter für den Bürger ist der sprunghafte Anstieg der Entwässerungsgebühren. In den letzten zwei Jahrzehnte haben sich die Gebühren in extremen Einzelfällen mehr als verzehnfacht. Steigerungen von 500 bis 700% sind der Normalfall. Eine der Ursachen ist mit Sicherheit die Versiegelung vorher offener Oberflächen.

Experten sprechen von einer Zahl um die 8m²/sec. permanenter Versiegelungsgeschwindigkeit. D.h. täglich werden in Deutschland ca. 70 ha vorher offener Landschaft zugepflastert, überbaut oder asphaltiert. Inzwischen ist jeder achte Quadratmeter zugedeckelt. der auf diese Flächen auftreffende Regen fließt direkt in die Entwässerungssysteme. Er wird damit dem natürlichen standortbezogenen Wasserkreislauf entzogen.

 

Öffentlichkeit und Trinkwasserverbraucher werden zur Kasse gebeten, nicht der Verursacher

Das in immer größeren Mengen anfallende Oberflächenwasser muss entsorgt werden. Dazu sind erhebliche Investitionen und Unterhaltungskosten notwendig. Die technischen Einrichtungen zur Ableitung des auf versiegelten Flächen auftreffenden Regens verschlingen jährlich Milliardenbeträge. Die öffentlichen Kassen werden durch die Neuanlage von Kanälen und beim Bau von immer häufiger notwendig werdenden Querschnittserweiterungen über Gebühr strapaziert. Gesetzlich vorgeschriebene Regenrückhalte- und Überlaufbecken sind ebenfalls teuer und wartungsintensiv. In Kommunen mit konventionellen Abwassersatzungen werden die dabei anfallenden Kosten dem Trinkwasserverbraucher aufgehalst, der in den meisten Fällen gar nicht der Verursacher der immensen Kosten für die Entsorgung des Oberflächenwasser ist. Oder umgekehrt, Flächenversiegeler ohne Trinkwasseranschluß zahlen überhaupt keine Abwassergebühren, obwohl sie enorme Kosten für die Entsorgung des von ihren Flächen kommenden Wassers verursachen. Das ist in höchstem Maße ungerecht.

 

Gespaltene Abwassersatzungen sind gerecht

Viele deutsche Städte haben diese Problematik erkannt und führen gespaltene Abwassersatzungen ein. Es werden dabei im Gegensatz zur bisherigen Handhabung zwei verschiedene Gebührenarten beim Abwasser fällig.

 

         Zunächst wird eine Abwassergebühr wie bisher erhoben. Sie wird an der entnommenen Trinkwassermenge bemessen. Allerdings nur noch in einer Höhe von ca. 50% der ursprünglichen Gebühr.

 

         Neu ist die Einführung einer Versiegelungsabgabe für jeden m² versiegelte Fläche.          Üblich sind z.Zt. 1,50 - 2,50 DM/m².

 

Damit ist eine schreiende Ungerechtigkeit beendet und das klassische Verursacherprinzip eingeführt. Wer sich dann noch den Luxus leistet und Oberflächenwasser in die Entsorgungsleitungen einleitet, der muss dafür endlich auch bezahlen. Die gängige Rechtssprechung ist dieser Logik gefolgt. Sie untersagt den Kommunen im Falle einer Klage, diese erhebliche Einzelfallungerechtigkeit aufrecht zu erhalten, die auf den herkömmlichen Abwassersatzungen beruht. Der Gerechtigkeit ist damit genüge getan. Doch die segensreiche Wirkung dieser gespaltenen Abwassersatzungen geht jetzt erst richtig los.

 

 

Wer profitiert von gespaltenen Abwassersatzungen

 

Die Kommunen, ihre Bürger und Betriebe

Die praktischen Erfahrungen der Kommunen und ihrer Tiefbauämter zeigen, dass nach Einführung der gespaltenen Abwasseratzungen immer weniger Flächen versiegelt und bereits gedeckelte Flächen wieder entsiegelt werden. Denn die Kommunen bieten den Abgabepflichtigen finanzielle Anreize, wenn die Einleitung von Oberflächenwasser vermieden wird. Offenporige Beläge, Regenwasserzisternen, Versickerung auf dem Grundstück und die Begrünung von Dächern sind zum Beispiel Maßnahmen, die zu einer Verminderung oder zu einem kompletten Erlass von Versiegelungsabgaben führen können.

Der Bürger und die Betriebe haben es nun selbst in der Hand, ihre Abwassergebühren zu halbieren Aber auch die Städte und Gemeinden profitieren von der gespaltenen Abwassersatzung. Entgegen der bisherigen Entwicklung gehen die zu entsorgenden Wassermengen trotz fortschreitender Bebauung zurück. Die" ..... hydraulischen Verhältnisse in der städtischen Kanalisation verbessern sich laufend .....", so berichtet ein Verwaltungschef nach Einführung der gespaltenen Abwassersatzung.

Großflächig begrünte Dächer wirken beispielsweise wie Regenrückhaltebecken, die allerdings in diesem Fall die Kommune keinen Pfennig kosten.

 

In Zahlen ausgedrückt: 17.000 m² extensive Dachbegrünung ersetzen ein Regenrückhaltebecken das 250 cbm Inhalt aufweist und Investitionen von ca. 1 Million DM beansprucht.

 

Die Dachbegrüner

Neben den Kommunen und den Bürgern profitiert damit natürlich auch die Dachbegrünungsbranche von gespaltenen Abwasseratzungen. Dieser Markt erhält entscheidende Entwicklungsimpulse. Denn Gründächer sind ein äußerst probates Mittel, um Versiegelungsabgaben ganz oder teilweise zu vermeiden. Oftmals ist der erzielte Gebührennachlass höher als die Kosten für den Bau und den Unterhalt eines Gründaches. Das erleichtert dem Bauherrn die Kaufentscheidung für eine Dachbegrünung. Zudem entstehen durch gespaltene Abwassersatzungen, mit ihrer positiven Wirkung auf den Absatz von Dachbegrünungen, neue Arbeitsplätze.

 

Die Umwelt

Bisher wurde aber die positive Wirkung auf die Umwelt noch völlig außer acht gelassen. Durch die Einführung gespaltener Abwassersatzungen kann eine zumindest teilweise Kompensation der negativen Auswirkungen der Versiegelung erreicht werden. Dachbegrünungen oder offenporige Beläge haben zum Beispiel neben den unbestrittenen wirtschaftlichen Vorteilen auch einen ausgesprochen günstigen Effekt auf unsere Natur. Regenwasser wird dem natürlichen Kreislauf direkt wieder zugeführt. Es kann an Ort und Stelle versickern oder verdunsten. Damit werden das Kleinklima und die Lebensqualität verbessert. Außerdem werden Überschwemmungen in ihrer schädlichen Wirkung abgeschwächt.

 

 

Der synergetische Effekt gespaltener Abwassersatzungen

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die bisherigen Abwassersatzungen mit einer einseitigen Bemessung nach der entnommenen Trinkwassermenge ungerecht und umweltschädlich sind. Die zunehmende Einleitung von Oberflächenwasser wird erst mit einer gespaltenen Abwassersatzung berücksichtigt. Damit wird des Verursacherprinzip angewendet und die erhebliche Einzelfallungerechtigkeit wieder in den unerheblichen Bereich zurückgeführt.

Außerdem löst die gespaltenen Abwassersatzung synergetische Effekte aus. Positive Wirkungen werden beim Umweltschutz, bei der Kostenbelastung der Steuerzahler und bei der Dachbegrünungswirtschaft erzielt.

Ökologische Verbesserungen lösen im gleiche Zug ökonomische Chancen aus. Oder Umweltschutz schafft Arbeitsplätze. Was will man heute mehr.

Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung gibt zu diesem Thema eine Broschüre heraus. Die Informationsschrift enthält Fakten aus dem theoretischen und praktischen Bereich.

 

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