SPD Ditzingen       

Kulturpreis geht 2004 an Frau Barbara Fauser

Verleihung am 29.10.2004

Redemanuskript zur Laudatio von Fritz Hämmerle

 

Anrede .....

Die SPD Ditzingen verleiht ihren Kulturpreis in diesem Jahr zum 19. mal. Mit Frau Barbara Fauser als jüngster Preisträgerin, sind demnach inzwischen 19 Personen bzw. Institutionen ausgezeichnet worden. Eine honorige Reihe ausgezeichneter Ausgezeichneter ist dabei entstanden. Mit der Auslobung dieses Preises war die SPD offensichtlich der Meinung die Kultur hätte es nötig gefördert zu werden. Da kann man nicht widersprechen.

 

Der Kulturbegriff ist weit gespannt. Der Duden spricht von der Summe der künstlerischen, geistigen und moralischen Werte einer Gesellschaft. Sigmund Freud bringt es konkret auf den Punkt, wenn er feststellt „Kultur ist Triebverzicht“. Er meint damit, dass das handelnde Subjekt nicht nur vom Unterbewusstsein gesteuert werden darf. Doch damit sind wir noch nicht weit gekommen und zeichnen deshalb die wenigen, die hier auf dem richtigen Weg sind mit Preisen aus.

 

Seit der Antike wird versucht dieser Horde von Mördern, wie Alexander Mitscherlich unsere Gesellschaft definiert, Kultur an zu erziehen. Mit mäßigem Erfolg. Der Verstand wird immer noch weitgehend von der Emotion verdrängt. Kultur ist ein knappes, ein extrem flüchtiges Gut und ein sehr scheues Wild. Besonders lobenswert sind deshalb Institutionen, Gruppierungen und Personen, die sich der Förderung der Kultur verschreiben, sie fördern und auszeichnen.

 

Wie steht es derzeit um die Kultur in unserer Gesellschaft und bei jedem Einzelnen von uns? Einige tausend Jahre nach der Antike und zweitausend Jahre nach dem größten Kultur- und Sozialrevolutionär, Jesus von Nazareth, müssen Nächstenliebe und gar Feindesliebe ständig neu und weitgehend erfolglos gefordert und beschworen werden. (Das Wort „Feindesliebe kommt in meinem modernen Rechtschreibprogramm gar nicht vor und wird deshalb vom PC als Fehler moniert und gerügt). Immer noch werden im Namen von Jesus Christus Bomben und Bomber gesegnet. Das Handeln der Gesellschaft und jedes Einzelnen lässt nicht viel von dem erkennen, was in der Bergpredigt an Sozialkultur eingefordert wird. Und die literarisch und sozial gleichermaßen wunderbar formulierten Aussagen im 1. Korintherbrief, Kapitel 1, Vers 13 ff.: „..... aber die Liebe ist die Größte .....“, findet in unserer Gesellschaft nur wenig Niederschlag und müssen ständig neu reklamiert werden. Weil sie offensichtlich dem Wesen der Menschen so gar nicht entsprechen.

 

Was ist von den hehren Ansprüchen des Humanismus in unserer Gesellschaft zu finden? Immer noch gilt das Faustrecht als probates Mittel und als Ultima Ratio unserer Streitkultur. ..... Ich versichere Ihnen, dass ich diese Passage bereits in der letzten Woche skizzierte. Vor dem vergangenen Sonntag, als ich diese von mir abstrakt angedachte Behauptung von meinem Freund Joachim Pfeiffer so konkret und gleichermaßen schmerzhaft bestätigt bekam.

 

Die Antike, das Neue Testament, der Humanismus und Mahatma Gandhi konnten nicht verhindern, dass das Schlagen von Kindern immer noch für eine lässliche Sünde gehalten wird. Doch Vorsicht! Jeder der sich selbstgerecht in die Brust wirft, weil er Kinder nicht schlägt, sollte sich selbst fragen, wie er es mit der psychischen Repression hält.

Gewalt wohin man blickt. Kultur ist fast immer nur als mühsam anerzogene Selbstkontrolle zu erkennen, die immer wieder aufgefrischt werden muss. Sie ist oft wie eine ohne Haftgrund aufgetragene Farbe, die schnell wieder abblättert und das rohe Eisen ernüchternd wieder zu Tage treten lässt.

 

Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist ernüchternd kulturlos und lockt uns in das Kulturgift der fatalistischen Resignation. Emanuel Kant erkannte dumpf resignierend  „ .....ich habe immer gefunden, dass die schlechten Leute gewinnen und die guten verlieren.“ Doch damit wollen wir uns nicht abfinden und rollen den Stein immer wieder den Berg hinauf, fördern die Kultur und verleihen Kulturpreise. Die breit gefächerte Palette der Träger des Kulturpreises der SPD Ditzingen zeigt mit welchen Instrumenten wir den Kampf um mehr Kultur führen können. Herausragend dabei ist die Kunst vertreten. Die Kunst, ein Unterbegriff der Kultur, ist hervorragend dazu geeignet die Kultur nachhaltig zu befördern.

 

Kunst als geistige Auseinandersetzung. Denn Kunst findet im Kopf statt. Hier kommt endlich einmal der Verstand vor unserem mörderischen Instinkt zum Zuge. Hier können wir unsere überschüssige Kraft avantgardistisch einsetzten. Denn „Kreativität ist Kraftüberschuss.“ Die Kunst hat die gute Eigenschaft, dass sie schnell verbreitet werden kann. Für sie gibt es keine Sprachbarrieren und ideologische Hürden nimmt sie mit Leichtigkeit. Die Kunst ist ein Multiplikator und wird durch ständige Benutzung immer besser, genauso wie die Liebe. Denken sie an den Korintherbrief ... .

 

Die Kunst kann aber nur dann segensreich als Kulturförderer wirksam werden, wenn sie aus ihrem Elfenbeinturm herauskommt. Wenn Sie sich präsentiert, animiert, die Kultur transportiert und wenn sie durch Provokation besonders wirksam wird. Sie regt zum Auseinandersetzen und zum Überdenken verkrusteter Strukturen an.

 

Vor eindimensionaler Gefälligkeit muss sie sich allerdings hüten, sonst wird sie zum Kitsch, zum Dekor, zum Nippes und vollzieht rasch den kleinen Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen.

 

In unserer Stadt kommt man aus dem Staunen nicht heraus, wenn man an die künstlerischen Potenziale denkt, die hier zu finden sind und die oft fast unerkannt schlummern. Wir dürfen es nicht zulassen, wenn die Kunst unter dem Deckel der Bescheidenheit im Verborgenen blüht oder in ihrem Selbstzweck schmort.

 

Allerdings bringe ich Verständnis dafür auf, wenn sich Kunstschaffende davor fürchten mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu gehen. Nirgendwo offenbart man sein Innerstes so, wie in der Zurschaustellung der ernsthaft geschaffenen „Exponate“. Nackt und bloß und völlig wehrlos steht man plötzlich in der Öffentlichkeit. Jeder kann dann erkennen, wie oftmals unter Schmerzen die einzelnen Kunstwerke entstanden sind.

 

Hier verdienen die höchst differenzierten Aktivitäten des Kultur- und Kunstkreises in Ditzingen eine hohe Anerkennung. Tag für Tag und Jahr für Jahr werden wahre Kraftakte vollbracht. Es wird gleichermaßen informiert und animiert. Die Präsentation der Kunst erfolgt dabei sensibel, wohlüberlegt und angemessen.

 

Nach Karl Valentin „ ..... ist Kunst schön, macht aber viel Arbeit.“

Nun könnte man eine Arbeitsteilung anstreben, nach dem Motto, die einen schaffen die Kunst und die anderen transportieren sie in die Öffentlichkeit und stellen sie der Gesellschaft zur Kulturförderung zur Verfügung. Hier die Produktion und dort das Marketing und der Vertrieb. Ein schwieriges Unterfangen, denn Kunst und deren wirksame Präsentation sind nur schwer voneinander zu trennen. Der Kunstbetrieb zeigt uns, dass diese Trennung der Aufgaben der Kunst oftmals schadet.

 

In Ditzingen sind wir in der glücklichen Lage, dass diese Arbeitsteilung nicht nötig ist. Frau Fauser beweist seit vielen Jahren, dass das Kunstschaffen und die Kunstverbreitung in einer – in ihrer Hand eine fruchtbare Symbiose eingehen und wunderbare synergetische Wirkungen zeitigen. Frau Fauser verbindet auf einmalige Weise ihre künstlerischen Ambitionen mit der Knochenarbeit im Kultur- und Kunstkreis Ditzingen.

 

Wenn man ihre Werke betrachtet, dann glaubt man zu spüren, wie intensiv sich bei ihr Produktion und Öffentlichkeitsarbeit, Kreativität, Sachverstand und unendlicher Fleiß gegenseitig fördernd ergänzen.

 

Die vielgestaltigen Arbeiten von Frau Fauser im Bereich Kunst sind unaufdringlich animierend, von positivem Ansatz, originell, sympathisch und frei von Eitelkeiten. Genauso wie sie selbst. Ich maße mir nicht an ihre Arbeiten zu bewerten und zu beurteilen. Aber wenn man sie auf sich wirken lässt, wird man von ihrer bildenden Kunst äußerst angenehm berührt. Was will ein Künstler mehr erreichen.

 

Ich habe Frau Fauser gebeten einige Arbeiten heute mit zubringen. Sehen sie sich alles an. Das ist weitaus ergiebiger, als wenn ich darüber referiere.

 

Kreativer Kraftüberschuss prägt die Arbeit von Frau Fauser in ihrem künstlerischen Schaffen und in ihrer Arbeit am Kulturleben unserer Stadt.

Dafür gebührt ihr Dank und höchste Anerkennung.

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Die SPD Ditzingen hat eine gute Wahl getroffen. Die Kultur wird durch die Kunst von Frau Fauser nachhaltig gefördert. Ebenso kunstvoll und kulturell wirksam ist ihre Fähigkeit den Kultur- und Kunstkreis Ditzingen an maßgeblicher Stelle mit zu führen, zu gestalten und zu fördern.

 

Sie reiht sich glanzvoll in die Reihe der 18 bisherigen Preisträger ein und gereicht unserer Stadt, dem Kultur- und Kunstkreis und der SPD Ditzingen zur Ehre. Wir hoffen alle, dass sie uns noch viele Jahrzehnte erhalten bleibt.

 

Herzlichen Dank auch an Sie Herr Fauser für ihr Verständnis und für die Unterstützung ihrer Frau bei ihrer Arbeit. Sie haben natürlich längst erkannt, dass eine solche Frau einem nie ganz alleine gehören kann. Respekt für ihre Fähigkeit zu verzichten und zu teilen und für ihre Geduld. Das sind durchweg kulturfördernde und damit ebenfalls höchst preiswürdige Eigenschaften.

 

In diesem Sinne herzlichen Glückwunsch an Sie Frau Fauser

und an die SPD Ditzingen

 

Ihnen allen danke ich für ihre geduldige Aufmerksamkeit.