Grusswort zur Wiedereinweihung der Peter- und Paul-Kirche Heimerdingen

am 27. November 2005

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Gratulation und Dank im Namen der Ortsverwaltung und des Ortschaftsrates.

 

Gratulation für die gelungene Renovierung und Modernisierung unserer Peter- und Paul- Kirche. Wir sind alle froh, dass wir wieder in die Kirche einziehen konnten, so gut wir auch im Gemeindehaus zwischenzeitlich untergebracht waren. Diese Kirche ist der geistliche Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde; aber auch der städtebauliche und weitgehend der soziale und gesellschaftliche Kern unseres Dorfes und der politischen Gemeinde. Sie ist kein barocker Prachtbau und kein gotisches Sakralmonument. Sie ist schlicht, fast schmucklos nüchtern. Der große Architekt Mies van der Rohe antwortete einmal auf die Frage nach der Schönheit: „Funktion ist schön“. Auch der von mir sehr geschätzte Josef Beys hat sich einmal ähnlich geäußert. In diesem Sinne ist diese Kirche unbestritten schön. Sie funktioniert geistlich hervorragend, wie wir heute sehen. Was wir aber auch an vielen anderen All- und Sonntagen immer wieder erleben dürfen. Diese Kirche nimmt aber auch in der gesamten Gemeinde eine wichtige Funktion ein. Sie fördert und festigt mit ihrer Symbolkraft das Zusammengehörigkeitsgefühl.

 

Damit spiegelt sie auch die enge Verbundenheit der Kirchengemeinde mit der politischen Gemeinde wider. Es gibt in Heimerdingen bemerkenswert viele Übereinstimmungen zwischen politisch-weltlichen Institutionen und Gruppierungen einerseits und den Kirchengemeinden, jeglicher Konfession andererseits. Überall kann man diese großen Schnittmengen sehen und fühlen. Viele Mitbürger engagieren sich in den Kirchen und in der vielfältigen, politischen, weltlichen Gemeinde gleichermaßen. Das gilt es zu fördern. Diese Kirche trägt in ihrer Aufgabenerfüllung ganz entscheidend dazu bei.

 

Dank an alle, die zum Gelingen dieses großen Vorhabens beigetragen haben. Dank an die Planer und Handwerker. Dank für die vielen Beiträge in Euro und Cent, in Sach- und in Eigenleistung, in Muskelhypotheken und in wohlwollender sympathischer Begleitung. Herzlichen Dank an Sie, Herr Bauer, für ihren persönlichen Einsatz bei der Koordination der vielen ehrenamtlichen Helfer. Jeder brachte sich nach seinen persönlichen Möglichkeiten ein. Vom perfekten Handwerker bis hin zum Vesperbub.

 

Vielen Dank auch an Sie Herr Oberbürgermeister Makurath. Sie haben durch Ihr Verhandlungsgeschick eine Mehrheit im Gemeinderat gefunden, die einen Zuschuss für die Kirchenrenovierung mitgetragen hat. Obwohl die Stadt ansonsten keine finanziellen Hilfen für Sakralbauten gewährt.

 

Der Hauptinitiator des Wiederaufbaus der Frauenkirche in Dresden, Ludwig Güttler, sagte kürzlich „der Gemeinsinn kann Berge versetzen“. Und unser Ministerpräsident Günther Oettinger sagte vor einigen Tagen vor einer großen Gruppe von Wirtschaftsführern „ich fordere von ihnen allen 10% ihrer Freizeit für ehrenamtliche Aufgaben, auch wenn sich ihr Handicap beim Golf dadurch deutlich verschlechtert!“. Der Musiker Güttler trat mit der Vollendung der Frauenkirche den Beweis für seine Behauptung an. Günther Oettinger dachte bei seiner Forderung sicher nicht an Heimerdingen. Denn bei uns werden von vielen Menschen weit mehr als 10% ihrer Freizeit ins Ehrenamt eingebracht. Da sind wir ihm weit voraus.

 

In Heimerdingen kann man immer wieder eine geballte Ladung Gemeinsinn erleben. Man muss nur ein klares Ziel setzen und eine lohnende Aufgabe stellen. Ich erinnere nur an einige Beispiele solch großartiger Leistungen: Der Bau des CVJM-Heimes, die Umgestaltung des alten Rathauses in ein schmuckes Sängerheim, der legendäre Bau unseres Gemeindehauses, das man seither auch liebevoll-spöttisch „Maultaschentempel“ nennt und die kollektiven Kraftakte beim Bau der Sportanlagen des TSV´s, des Tennisclubs oder der Bogenschützen. Überall wurden ungeahnt große ehrenamtliche Potenziale frei und segensreich wirksam.

 

Die Renovierung und die Modernisierung unserer Kirche, deren erfolgreichen Abschluss wir heute feiern, reiht sich in diese vorbildlichen Zeugnisse des bergeversetzenden Gemeinsinns ein, von dem Ludwig Güttler sprach.

 

Dieser Gemeinsinn ist eine kostbare Eigenschaft, die man hegen und pflegen muss und die durch neue lohnende Aufgaben immer neu gestärkt wird.

 

Natürlich wollte ich nicht mit leeren Händen kommen und habe deshalb ein kleines Geschenk mitgebracht. Es ist eine Vase für die Gruppe, die jeden Sonntag für den Blumenschmuck in der Kirche sorgt. Die Vase ist besonders für Frühjahrsblüher – Tulpen und Narzissen – geeignet. Obwohl wir uns mitten im Winter befinden, habe ich die Vase trotzdem jetzt schon gekauft, da ich sie aus meinen persönlichen Verfügungsmitteln finanziere. Diese Mittel fliessen ansonsten zum Jahresende an die Stadtkasse zurück, wenn sie nicht ausgeschöpft sind. Das wollte ich vermeiden.

 

Nochmals Glückwunsch und herzlichen Dank allen Beteiligten insbesondere auch an Sie Herr Architekt Lissner und an Ihre Fachingenieure.

 

Unserer evangelischen Kirchengemeinde Heimerdingen wünsche ich, auch im Namen des Ortschaftsrates,

 

in dieser schönen Kirche, in der man nun mehr Komfort genießen kann, in der man nun besser hört und hoffentlich noch besser zuhört und auch besser sieht,

 

weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei der Erfüllung ihrer Funktionen innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde. Die Voraussetzungen dafür sind nun noch günstiger.