Beitrag zur Buschtrommel, Mitarbeiterzeitung Stadt Ditzingen)  Dezember 2005

 

 

Ein Ortsvorsteher als Beamtenazubi

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach der letzten Kommunalwahl wurde ich zum Ortsvorsteher Heimerdingens gewählt. Ohne böse Vorahnung nahm ich die Wahl freudig an und sah mich unvermittelt zum Beamten mutiert. Wer mich kennt, weiß, dass es sich dabei um einen Widerspruch in sich handelt. Aber ich habe mich überraschend schnell in dieser Rolle zurechtgefunden. Zum Glück für mich und für viele andere, bin ich allerdings nur ein Beamter auf Zeit und deshalb auch ohne Pensionsanspruch – mein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung.

 

Ein Ortsvorsteher hat es schon von seiner Position her nicht leicht. Hinzu kommt, dass ich als Beamter weisungsgebunden bin und die Weisungen kommen direkt vom OB. Zum andern habe ich zu allem Überfluss auch noch ein Mandat im Gemeinderat und im Ortschaftsrat wahrzunehmen. Soll ich nun als Stadtrat meinem Gewissen folgen, den Wählerauftrag erfüllen oder als OV die weisen Weisungen des OB umsetzen? Da kommt man ins Grübeln. Doch kein Problem für einen Kommunalpolitiker. Wie es mir gerade passt, schlüpfe ich in die Rolle, die mir aktuell opportun erscheint. Beamteter OV oder unabhängiger Stadt- und Ortschaftsrat. Im Notfall kann ich mich auch noch auf den Status als stellvertretender Vorsitzender des TSV Heimerdingen zurückziehen. Hoffentlich geht das gut.

 

Aber nun im Ernst. Nach einer geduldigen Einarbeitungszeit kann ich meine Aufgaben auch deshalb ganz gut erfüllen, weil mir ein perfekter Apparat zur Seite steht. Ein kompetentes Kolleginnen-Quartett und der unersetzliche Herr Fuchs im Rathaus Heimerdingen. Alle souverän geführt von Dieter Weng. Darüber hinaus treffe ich immer auf offene Ohren bei allen Stellen, mit denen ich innerhalb der Verwaltung Kontakt habe. Noch ein Wort zu Dieter Weng: Er ist mein Lehrmeister im schweren Beamtenhandwerk. Ohne seine große Erfahrung, die er bei zahlreichen Ortsvorstehern gesammelt hat und seinem umfangreichen Fachwissen, stände ich oft mit abgesägten Hosen da. Manchmal habe ich aber auch das Gefühl, dass es ihm eigentlich egal ist, wer unter ihm als Ortsvorsteher werkelt. Hauptsache alles geht schnell, man vergisst nichts, ist zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Unterschrift bereit und lässt die Diskussionen im Ortschaftsrat nicht ausufern. Sonst ..... , nein, er kritisiert nie. Allenfalls meint er man könnte dies oder das vielleicht auch etwas anders machen oder sein entsetztes, beredtes Schweigen spricht Bände.

 

Die Sitzungsleitung im Ortschaftsrat hatte ich mir leichter vorgestellt. Doch mit der Zeit und mit der Unterstützung von Dieter Wenig, komme ich mit den quirligen und zu jeder Überraschung bereiten Damen und Herren Ortschaftsräte inzwischen ganz gut zurecht – und sie hoffentlich auch mit mir. Wenn in der Sitzung bei mir einer auf dem Schlauch steht und ich überhaupt keine Ahnung habe, dann sage ich inzwischen cool und äußerst gelassen „das werden wir schriftlich beantworten“.

 

Besonders angenehm ist die Akzeptanz bei den Heimerdinger Bürgern. Mit großen und kleinen Anliegen kommt man direkt auf mich zu. Am liebsten so beim Vorübergehen, auf der Straße, auf der Bank, beim Einkaufen, auf dem Fußballplatz, auf dem Friedhof usw.. Bürgernähe pur! Das entgegengebrachte Vertrauen und die Spontanität tut einfach gut. Den Besuch in der Sprechstunde „auf dem Rathaus“  meidet man dagegen. Das ist dann doch zu offiziell. Vielen sitzt auch der Schalk im Nacken und ich werde gerne „hochgenommen“. Als meine Frau einmal eine Sache in Heimerdingen (unberechtigterweise !) „unmöglich“ fand, wurde ihr empfohlen sich beim OV zu beschweren „oder haben Sie den nicht im Griff“.

 

Noch macht mir die Arbeit als HeimerdingerOrtsrumsteher“ (launig-drolliger Volksmund) sehr viel Spaß. Dass es so ist, dazu haben Sie, liebe Damen und Herren Kollegen – jeglicher Ehre - in der Verwaltung entscheidend beigetragen. Herzlichen Dank dafür, verbunden mit der Bitte um weitere gute Zusammenarbeit. Sollte ich tatsächlich auch einmal einen Fehler machen – das ist rein theoretisch möglich - , dann sagen Sie es mir. Ich kann dann immer noch entscheiden, ob ich es als Beamter gelassen aufnehme, als Stadtrat stinkbeleidigt bin, als Ortsvorsteher mich arrogant auf meine Hoheitsrechte berufe, alles auf die Weisungen von höchster Stelle schiebe oder mir als typischer Bürger von „denen auf dem Rathaus“ schon mal gar nichts sagen lasse.

 

In diesem Sinne herzlichst Ihr lernfähiger und weisungsgebundener Beamten-Azubi im zweiten Lehrjahr

 

Fritz Hämmerle