Interview mit Frau Minister Bärbel Höhn

Die Dachbegrünung als eine Facette im Rahmen
umfassender und nachhaltiger Umweltpolitik.

Bezugnehmend auf die umfangreichen Bemühungen des Landes Nordrhein- Westfalens die Begrünung von Bauwerken zu fördern, führte Fritz Hämmerle für Dach+Grün ein Gespräch mit Frau Bärbel Höhn, der NRW-Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Konkreter Anlass war die Herausgabe der Schrift GRÜNE DÄCHER GRÜNE WÄNDE, Leitfaden und praktische Tipps zur Fassaden- und Dachbegrünung durch das von Frau Höhn geführte Ministerium.

Hämmerle:

In unglaublich rasanter Weise schreitet die Überbauung bisher freier Flächen in unserem Land fort. Diese Entwicklung ist nicht auf zu halten. Zur Kompensation dieses Landverbrauchs sind einschneidende Maßnahmen notwendig. Welche konkreten Schritte wurden dabei, unter Ihrer Federführung in NRW bisher eingeleitet?

Höhn:

Die Überbauung und die damit häufig einhergehende Zubetonierung von Flächen ist ein großes Umweltproblem der Gegenwart. Trotz des rückläufigen Bevölkerungswachstums nimmt die Flächeninanspruchnahme auch in NRW weiter zu. Das liegt einmal an dem verständlichen und weiter wachsenden Wunsch der Menschen nach mehr persönlichem Wohneigentum und nicht zuletzt an dem maßgeblich steigenden Verkehrsaufkommen im Individualverkehr. In NRW sind mehr Autos zugelassen als in ganz Afrika. Auch die Flächenkonkurrenz einzelner Gemeinden bei der Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbeflächen spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir gehen dieses Problem mit einem differenzierten Konzept an.

Dazu zähle ich

Hämmerle:

Immer wieder wird in Deutschland die Problematik thematisiert, dass die Ökologie in diametralem Gegensatz zu Ökonomie steht. Wie ist Ihre Stellung zu dieser Aussage?

Höhn:

Der Unterschied von Ökologie und Ökonomie liegt insbesondere in der Zeitschiene. Ein Einzelunternehmen kann kurzfristig zusätzlichen Gewinn machen, wenn es sich unökologisch verhält. Die Allgemeinheit muss dann allerdings für den Schaden aufkommen, der dadurch entstanden ist, und dessen Reparatur in der Regel sehr viel teurer ist als der Gewinn des Unternehmens. Wer aber langfristig ökonomisch erfolgreich sein will, muss ökologisch arbeiten und das wird mittlerweile gerade auch von international tätigen Unternehmen berücksichtigt. Im übrigen gilt, dass eine Wirtschaftsweise, die Umweltfaktoren mit einbezieht, häufig sehr viel mehr Arbeitsplätze schafft, und vor allen Dingen sind diese Arbeitsplätze auch in Zukunft sicher.

 

Hämmerle:

Ihr Ministerium veröffentlichte eine bemerkenswerte Broschüre zur Bauwerksbegrü-nung. "GRÜNE DÄCHER GRÜNE WÄNDE" ein Leitfaden und praktische Tipps zur Fassaden- und Dachbegrünung. Welche Resonanz haben Sie und Ihre Mitarbeiter auf diese populäre und sachkundige Veröffentlichung erfahren.

Höhn:

Millionen von Menschen leben in Städten und Ballungsräumen, in denen Beton und Asphalt das Grün verdrängt haben. Mit unserer Förderung wollen wir die Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigen, aus nackten Mauern und sterilen Dächern kleine individuelle Naturoasen zu schaffen. Mitten in der Stadt sparen grüne Wände und Dächer kostbare Energie, schützen die Bausubstanz vor Sonne, Wind und Regen und schaffen mehr Lebensqualität. Sie verbessern das Klima direkt in unserer Nähe und bieten mit ihren zusätzlichen Lebensräumen auch vielen Tieren Nahrung, Unterschlupf und Brutplatz.

Eine ganz praxisbezogene Anleitung für die Verbesserung unseres direkten Umfeldes gibt die Broschüre "GRÜNE DÄCHER GRÜNE WÄNDE", die sehr stark nachgefragt wird. Hier sind Erkenntnisse aus Wissenschaft und Verwaltungspraxis eingeflossen. Mit dieser Broschüre möchte ich neue Impulse geben.

 

Hämmerle

Wie sehen ihre Pläne und Visionen aus im Hinblick auf eine ökologisch nachhaltige Politik?

Höhn:

Die Dachbegrünung ist ja nur eine Facette im Rahmen umfassender und nachhaltiger Umweltpolitik. Sie ist im Rahmen der städtischen Grünplanung aber eine Aufgabe, der noch mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden sollte, als es bisher der Fall ist. Wenn die Begrünung der Dächer die Zersiedelung und Versiegelung von Landschaft und Freiflächen auch nicht verhindern kann, so kann sie doch einen Beitrag leisten, um diese negativen Effekte zu lindern, wenn sie denn unumgänglich sind.

Der wichtigste Pfeiler meiner Politik ist die nachhaltige Entwicklung, die alle Bürgerinnen und Bürger praktisch anwenden können, denn sie gilt für sämtliche Bereiche unseres Lebens: ob Dachbegrünung, der aktive Naturschutz vor Ort, Energieeinsparungen im Haushalt und in Betrieben. Dazu gehört auch das Ziel der Agrarwende.

 

Das heißt: mehr naturnahe Landwirtschaft und eine artgerechte Haltung und Fütterung der Tiere. Wir müssen unsere Umwelt für künftige Generationen erhalten und verbessern. Oberstes Priorität hat dabei der Ausbau der Umweltvorsorge, denn wir dürfen nicht mehr erst dann handeln, wenn die Schäden nur noch sehr teuer zu beheben sind.

Dass ich mich im Augenblick viel mit Agrarpolitik und Verbraucherschutz beschäftige, dürfte angesichts der BSE-Krise und der Maul- und Klauenseuche sicher nicht erstaunen.

Doch Sie sehen: Ich tue das eine, aber ich vernachlässige das andere nicht.

Hämmerle: Frau Minister Höhn, vielen Dank für Ihre Ausführungen und für Ihre unverkennbare Sympathie und Ihr Engagement gegenüber der Begrünung von Dächern und Fassaden.

 

Redaktion: Eva Hämmerle